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Klimapsychologie: Warum Mitarbeitende und Führungskräfte beim Klimaschutz nicht ins Handeln kommen

Themenfeld «Klima, Biodiversität und Energie: Grundlage für eine funktionierende Wirtschaft»
- Warum verhalten sich Menschen nicht klimafreundlicher, trotz vorhandenem Wissen? Die Klimapsychologie liefert hierauf Antworten: Sieben psychologische Bremsen stehen dem Handeln im Weg. Wer sie kennt, kann gezielt ansetzen und die Bremsen lösen.

Wissen ist nicht gleich Handeln

Ob beim Sport, beim Rauchen oder beim Thema Klimaschutz: Zu wissen, was richtig wäre, führt leider nicht automatisch dazu, dass wir Menschen uns auch so verhalten. Dieses Muster ist auch in Unternehmen immer wieder anzutreffen: Mitarbeitende und Führungskräfte wissen, dass es den Klimawandel gibt, kennen gegebenenfalls auch die Klimaziele der Organisation, aber handeln im Alltag kaum entsprechend. Genau hier setzt die Klimapsychologie an: Sie untersucht, was Menschen tatsächlich dazu bewegt, sich klimafreundlicher zu verhalten.

Sieben psychologische Bremsen des Handelns

Aus klimapsychologischer Sicht lassen sich sieben zentrale psychologische Bremsen ausmachen, die Mitarbeitende und Führungskräfte davon abhalten können, sich klimafreundlicher zu verhalten und klimafreundlichere Entscheidungen zu treffen. Diese sind im Folgenden kompakt dargestellt:

  • Soziale Normen: Das beobachtete Verhalten von Kolleg:innen wirkt ansteckend, sowohl im Guten als auch im Schlechten. Erleben Mitarbeitende, dass klimafreundliches Verhalten im Team keine Rolle spielt, sinkt auch ihre eigene Bereitschaft dazu.
  • Emotionales Gehirn nicht erreicht: Rationale Argumente überzeugen selten allein – ein Thema muss auch emotional erlebt werden, damit es handlungsrelevant wird.
  • Fehlende Selbstwirksamkeit: Wer nicht das Gefühl hat, mit dem eigenen Beitrag tatsächlich etwas zu bewirken, bleibt eher untätig.
  • Gegenwartspräferenz: Unser Gehirn gewichtet sofortige Kosten stärker als zukünftigen Nutzen, selbst wenn dieser objektiv größer ist. Werden die sofortigen Kosten für Klimaschutz als hoch und der Nutzen als wenig greifbar wahrgenommen, bremst das klimafreundliches Handeln.
  • Umgang mit der kognitiven Dissonanz: Wenn die Einstellung („Klimaschutz ist mir wichtig“) und das tatsächliche Verhalten nicht zusammenpassen, entsteht ein innerer Spannungszustand. Aufgelöst wird diese Dissonanz häufig nicht durch
    Anpassung des Verhaltens, sondern bspw. indem die Einstellung stillschweigend angepasst wird („So wichtig ist es mir dann wohl doch nicht.“).
  • Selbstbild: Ist Nachhaltigkeit kein Teil des eigenen Selbstverständnisses, fällt es deutlich schwerer, sich entsprechend zu verhalten. Menschen handeln eher im Einklang mit dem, was sie über sich selbst glauben.
  • Gewohnheiten: Aus einer guten Absicht wird oft kein Verhalten, weil eingespielte Routinen im Alltag zu stark sind.

Was das für Unternehmen bedeutet

Für Unternehmen, die wirkungsvoll zu Klimaschutz motivieren wollen, damit bspw. die Nachhaltigkeitsstrategie auch in die Umsetzung kommt, empfiehlt sich ein zweistufiges Vorgehen:

  1. Analysieren, welche Bremsen bei den Mitarbeitenden und Führungskräften vor allem aktiv sind.
  2. Bremsen gezielt lösen mit passenden psychologischen Interventionen – etwa durch Ansprache des emotionalen Gehirns, sichtbare soziale Vorbilder, kleine Erfolgserlebnisse oder das bewusste Verankern von Nachhaltigkeit im Selbstbild von Teams.

Wichtig dabei: Es gibt keine Universallösung. Welche Bremse in welchem Team oder auf welcher Führungsebene dominiert, unterscheidet sich – entsprechend braucht es auch unterschiedliche Interventionen je nach Organisation.

Fazit

Dass Mitarbeitende und Führungskräfte nicht ins Handeln kommen, liegt selten primär an fehlendem Wissen. Es sind psychologische Bremsen, die im betrieblichen Alltag oft wirken. Wer sie kennt, kann gezielter ansetzen und schafft so eine deutlich bessere Grundlage dafür, dass aus Wissen auch tatsächliches Verhalten wird.

Fabian Hirt
Fabian Hirt, Klimapsychologe, Trainer & Berater, HIRT I Klimapsychologie

Rechte Titelbild: John Matychuk, Unsplash

Ein Gastbeitrag von Fabian Hirt, Klimapsychologe