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öbu-Schwerpunkt Biodiversität: Entwicklung des Biodiversitätsfussabdrucks, Tools für Unternehmen, Biodiversitätsziele mit SBTN

Themenfeld «Klima & Biodiversität: Grundlage für eine funktionierende Wirtschaft»
- Vergangene Woche traf sich die öbu-Arbeitsgruppe "Biodivesitätsmanagement" zum fünften Mal in Zürich. Mit Vertreter:innen von Siemens, Implenia, der Post, Menu and More, Migros und Coop sowie weiteren Unternehmen wollen wir gemeinsam Lösungen für das Biodiversitätsmanagement entlang von Lieferketten entwickeln.

Entwicklung der Umweltfussabdrücke in der Schweiz

Zu Beginn der Sitzung haben Isabel O'Connor und Livia Ramseier von EBP die aktualisierte Version ihrer Zeitreihenstudie zu Umweltfussabdrücken in der Schweiz vorgestellt. Im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) wurde untersucht, wie sich ausgewählte Umweltfussabdrücke für die Schweiz unter Berücksichtigung der gesamten Lieferkette im Zeitraum zwischen 2000 und 2023 entwickelt haben.

Die erfreuliche Nachricht ist, dass die durch den Schweizer Konsum verursachte Gesamtumweltbelastung pro Person in besagtem Zeitraum um 21% zurückgegangen ist. Jedoch fällt ein Grossteil der verursachten Umweltbelastung nicht direkt in der Schweiz, sondern im Ausland an. Etwa durch Ernährung, Mobilität, Bekleidung oder Freizeitaktivitäten. Dieser Auslandsanteil ist im gleichen Zeitraum von 64% auf rund 77% angestiegen. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass die Gesamtumweltbelastung zwischen 2000 und 2023 weitestgehend auf einem konstant (zu) hohen Level geblieben ist.

Für den Umweltfussabdruck im Bereich Biodiversität - gemessen in potentially disappeared fraction of species (PDF) - zeigt sich ein nochmals kritischeres Bild. Hier hat die Gesamtbelastung pro Person im Untersuchungszeitraum eher zugenommen. Zwar ist auch hie ein leichter Rückgang der Belastungen im Inland zu verzeichnen, gleichzeitig hat die ausländische Umweltbelastung jedoch so stark zugenommen (von 58% auf 69%), dass dadurch der Rückgang im Inland überkompensiert wird.  

Trotz teilweise positiver Entwicklungen in einigen Bereichen liegt das Niveau der Umweltbelastungen weiterhin deutlich über den ökologischen Belastbarkeitsgrenzen bzw. den in der Schweizer Umweltpolitik formulierten Zielwerten. Um innerhalb der planetaren Grenzen zu bleiben und ressourcenschonend zu Wirtschaften, sind also zusätzliche Anstrengungen notwendig. Nach Einschätzung von EBP wäre daher sowohl eine Reduktion der Gesamtumweltbelastung als auch des Biodiversitätsfussabdrucks um jeweils 73% notwendig.

 

Unterstützung für Unternehmen - Tools für das Biodiversitätsmanagement

Im Anschluss stellte Nathalie Benz von Swiss Climate eine Reihe von Ansätzen vor, mit denen Unternehmen Naturrisiken (wie z.B. den Artenverlust) systematisch in ihre strategischen Entscheidungen integrieren können

Ein guter Ansatzpunkt ist hier, von Klimarisiken auszugehen. Diese sind in dem meisten Unternehmen bereits etabliert und analysiert und können systematisch um Naturrisiken erweitert werden. Für den Anfang empfiehlt sich hier ein pragmatischer Ansatz, der einem einen guten ersten Überblick liefert, ohne gleich in vertiefte und komplexe Detailanalysen einzutauchen.

Unternehmen können hier auf eine Reihe von Tools zurückgreifen, mit denen sie ihre Naturrisiken identifizieren und analysieren können. Oftmals beginnt eine solche Analyse damit zu verstehen, wie stark und von welchen Ökosystemdienstleistungen (z.B. Bestäubung, Bodenbildung, Nährstoffkreisläufe etc.) ein Unternehmen abhängig ist und welche Risiken damit verbunden sind. 

Entsprechende Tools wie z.B. ENCORE, der WWF Risk FilterUNWRITTEN oder das UN Biodversity LAB unterstützen Unternehmen bei ihren Nature Risk Assessments, indem sie wissenschaftliche, geodatenbasierte und unternehmensbezogene Analysen miteinander kombinieren. So können Abhängigkeiten, Auswirkungen und Risiken von Unternehmen in Bezug auf Biodiversität und Ökosysteme systematisch identifiziert und bewertet werden. Die Tools bieten schnelle Einblicke, ermöglichen skalierbare Analysen und lassen sich in bereits bestehende Risikoprozesse integrieren. Die Vorteile liegen dabei auf der Hand: Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, besseres Risikomanagement und transparente Offenlegung. 

Jedoch hat sich insbesondere in der Diskussion zwischen den Teilnehmenden der Arbeitsgruppe gezeigt, dass keines der vorgestellten Tools eine umfängliche Komplettlösung bietet. Oftmals ist eine Kombination mehrerer Tools vonnöten, um die gewünschte Detailtiefe zu erreichen. Auch die Datenverfügbarkeit und -qualität sind hier kritische Aspekte - aber auch der Umgang mit grossen Datenmengen. Am Ende steht somit oft ein Disconnect zwischen der Analyse und der Umsetzung von Massnahmen mit echter Wirkung.

BioPrint setzt genau hier an und möchte herausfinden, wie man das Biodiversitätsmanagement und -monitoring entlang der Wertschöpfungskette verbessern und standardisieren kann, um wirklich wirksame Mitigationsmassnahmen zu implementieren.

Naturrisiken adressieren mit SBTN

Zum Schluss stellte Tatjana Schaumann, Programmleiterin Nachhaltigkeit beim Migros-Genossenschafts-Bund. vor, wie sich die Migros-Gruppe im Rahmen des SBTN-Framework dem Thema Biodiversität und Umwelt- bzw. Naturrisiken angenähert hat.

Ziel des Science Based Targets Network (SBTN) ist es, Unternehmen und Städte dabei zu unterstützen, wissenschaftlich basierte Ziele für den Schutz von Natur und Umwelt umzusetzen. SBTN baut auf der Logik von SBTi auf und erweitert den Ansatz um Ziele für z.B. Wasser- und Landnutzung, Biodiversität oder marine Ressourcen. SBTN hilft Unternehmen dabei, konkrete und wissenschaftlich fundierte Ziele zu setzen, um ihre Auswirkungen auf die Natur zu reduzieren und Ökosysteme zu schützen.

 Der Vorteil bei SBTN liegt dabei an der grossen Ähnlichkeit zum SBTi-Framework. Hat man bereits Erfahrungen mit SBTi-Klimazielen, so lassen sich diese Erfahrungen sehr gut auf SBTN adaptieren. Ausserdem adressiert SBTN ein grosses Spektrum an globalen Herausforderungen im Kontext von Naturrisiken. 

Eine wichtige Erkenntnis war, dass es Sinn macht, sich die Ziele dort zu setzen, wo der grösste Handlungsbedarf (z.B. Wasserstress) herrscht und mit entsprechenden Massnahmen somit auch die grösste positive Wirkung erzielt werden kann.