«Nachhaltigkeit braucht Mut» - Ein Rückblick mit öbu-Pionier Stephan Baer
Herr Baer, Sie waren bei der Gründung von öbu aktiv beteiligt und später Präsident. Was war damals Ihre persönliche Motivation, sich für ökologisch bewusste Unternehmensführung zu engagieren?
Während meines Wirtschaftsstudiums bin ich im Zusammenhang mit der Anti-AKW-Bewegung auf Umweltthemen gestossen und habe begonnen mich bei sozialen und ökologischen Themen zu engagieren. Als ich 1983 die Geschäftsleitung der väterlichen Firma übernahm, war es mir wichtig, diese Themen in die Geschäftspolitik zu integrieren. Mit meinem Unternehmensberater habe ich einen Prozess angestossen, der unter Einbezug aller Mitarbeitenden zu einem breiten Massnahmenpaket geführt hat. Als die Studenteninitiative oikos der HSG einen Wirtschaftsverband ökologisch engagierter Unternehmen anregte, war es für uns klar da mitzumachen.
Wenn Sie auf die Entwicklung von öbu seit 1989 zurückblicken, was hat sich aus Ihrer Sicht am stärksten verändert und was ist im Kern gleich geblieben?
Zur Zeit der öbu-Gründung war das Wissen über die ökologischen Herausforderungen in der Wirtschaft weit weniger verbreitet als heute. Viele Instrumente wie zum Beispiel die ökologische Buchhaltung mussten zuerst entwickelt und erprobt werden. Heute hat man diesbezüglich im Management viel mehr Erfahrung und das Themenfeld ist im Sinne der Nachhaltigkeit auch breiter und dringlicher geworden. Im Kern gleich geblieben ist aber, dass die Integration der Nachhaltigkeitsaspekte ins unternehmerische Handeln immer noch ein aktives Engagement und nicht selten auch Mut verlangt.
Welche Bedeutung hatte öbu für Sie persönlich und für Ihre unternehmerische Arbeit?
Für mich war die öbu eine wichtige Quelle der Inspiration, der Information und der gegenseitigen Bestärkung im Engagement.
Nachhaltigkeit ist heute deutlich breiter im unternehmerischen Diskurs verankert als zur Gründungszeit von öbu. Teilweise ist die Wirtschaft heute “Teil der Lösung”, aber auch weiterhin klar “Teil des Problems”. Wo sehen Sie die Aufgabe von öbu heute?
Die öbu leistet mit der Vernetzung ihrer Mitglieder einen wichtigen Beitrag für den Wissenstransfer bei generellen wie auch branchenspezifischen Themen. Das unterstützt und motiviert die Unternehmen immer klarer Teil der Lösung zu werden. Doch auch die staatlichen Rahmenbedingungen für Nachhaltigkeit sind wichtig. Es würde mich freuen, wenn die öbu mit ihren Mitgliedfirmen hierzu eine öffentlich noch stärker wahrnehmbare Stimme würde.
Sie waren einer der ersten schweizerischen Unternehmer mit nachhaltiger Ausrichtung und haben in dieser Rolle viele Erfahrungen gemacht. Was möchten Sie heutigen Unternehmerinnen und Unternehmern bezüglich nachhaltigem Wirtschaften für Gedanken oder Erfahrungen mitgeben?
Nach meiner Erfahrung müssen Nachhaltigkeitsziele in der Unternehmensstrategie verankert sein und genau gleich konsequent und professionell wie andere strategische Ziele angegangen werden. Weil Nachhaltigkeitsmassnahmen nicht immer direkt und kurzfristig profitabel sind, braucht es dazu eine besonders robuste Motivation. Mir haben die Diskussionen in der öbu und mit befreundeten Familienunternehmern geholfen.