Schokolade statt Regenwald: Wie Schweizer Importe die weltweite Entwaldung anheizen
Die weltweite Entwaldung und die Umwandlung von Naturland in Land für die Agrarindustrie schreiten in alarmierendem Tempo voran. Nach einer Analyse des WWF gingen zwischen 2004 und 2017 alleine in 24 «Entwaldungsfronten» 43 Millionen Hektaren Wald verloren – eine Fläche zehnmal so gross wie die Schweiz.
Abholzung ist oft versteckt in den Produkten, die aus dem Import von risikoreichen Rohstoffen entstehen. Der Hunger der Schweizer nach land- und forstwirtschaftlichen Rohstoffen nimmt enorm viel Land in Anspruch: Zwischen 2015 und 2019 wurden 11,2 Millionen Hektar Land benötigt, um den Bedarf der Schweiz an nur acht land- und forstwirtschaftlichen Rohstoffen zu decken: Kakao, Kokosnuss, Kaffee, Palmöl, Zellstoff und Papier, Soja, Zuckerrohr und Holz. Das zeigt die vom Beratungsunternehmen 3Keel im Auftrag des WWF Schweiz durchgeführte Analyse «Importierte Abholzung: Wie in die Schweiz importierte Rohstoffe die Entwaldung im Ausland vorantreiben». Bezieht man zusätzlich auch die Schweizer Handelsgeschäfte mit ein, sind diese Zahlen lediglich «die Spitze des Eisbergs».
Lieferketten entwaldungsfrei gestalten
«Für den Schutz der globalen Wälder tragen Schweizer Unternehmen und Behörden eine grosse Verantwortung», sagt Romain Deveze, Rohstoffexperte beim WWF Schweiz. „Statt nur mit dem Finger auf Regierungen und Landwirte in Entwaldungshotspots zu zeigen, müssen wir uns an der eigenen Nase nehmen.» Unternehmen müssen ihre Lieferketten dringend entwaldungsfrei gestalten und dafür sorgen, dass die Menschenrechte respektiert werden. Damit dies gelingt, müssen sie in einem ersten Schritt die Risiken in den Lieferketten ermitteln, indem sie die Herkunft ihrer Produkte genau nachverfolgen.
Die Studie des WWF Schweiz zeigt, dass fast drei Viertel der Kaffee-Importe der Schweiz (72 Prozent) aus Ländern mit einem hohen bis sehr hohen Entwaldungs-Risiko stammen, darunter Brasilien, Kolumbien, Äthiopien, Guatemala, Indonesien, Honduras, Mexiko und Peru. Überhaupt kein Kaffee wird aus Staaten mit geringem Risiko importiert. Und mehr als die Hälfte der Importe für Schweizer Schokolade (54 Prozent) stammt aus Ländern mit hohem oder sehr hohem Entwaldungsrisiko.
Bessere Standards in der Handelspolitik
Die Importe dieser Rohstoffe heizen auch dem Klima tüchtig ein: Im Zeitraum von 2015 bis 2019 wurden drei Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr durch die Umwandlung von Naturland in Agrarland freigesetzt. Dies entspricht ca. neun Prozent der jährlichen Emissionen der Schweiz.
Der WWF fordert Konsumentinnen und Konsumenten auf, sich für umweltverträglicheres Essen zu entscheiden und nur so viel Lebensmittel zu kaufen, wie wirklich benötigt werden. Die mächtigsten Hebel liegen aber bei der Politik: Es braucht dringend bessere und verbindliche Sozial- und Umweltstandards in den internationalen Handelsbeziehungen, insbesondere zu entwaldungsfreien Lieferketten.
Werden keine tiefgreifenden Massnahmen zum Schutz der Wälder ergriffen, nimmt die Entwaldung in den Tropen und Subtropen weiter zu. Mehr Waldverlust hätte verheerende Folgen nicht nur fürs Weltklima, sondern auch für die 1.6 Milliarden Menschen, die auf intakte Wälder als Lebensgrundlage angewiesen sind.
(Quelle Text: Jonas Schmid, Kommunikationsbeauftragter WWF Schweiz; Quelle Titelbild: Adriano Gambarini, WWF Brazil)