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Corporate Responsibility: Finanzierte Emissionen einheitlich berechnen

- Finanzierte Emissionen sind ein grosser Hebel für Finanzinstitute, um ihren Treibhausgasfussabdruck zu reduzieren. Doch ihre Berechnung stellt Banken vor Herausforderungen. Dank der Initiative PCAF etabliert sich ein neuer Standard, der eine einheitliche Ermittlung und Berichterstattung von finanzierten Emissionen erlaubt. Dieser Artikel von öbu-Mitglied PostFinance bietet spannende Einblicke.

Als eines der grössten Finanzinstitute der Schweiz nimmt PostFinance ihre soziale, ökonomische und ökologische Verantwortung wahr – mit einem fairen Verhalten gegenüber ihrer Kundschaft, ihren Mitarbeitenden und der Gesellschaft. Ein bedeutender Teil dieser Corporate-Responsibility-Strategie ist das ganzheitliche Nachhaltigkeitsmanagement, das fest in der Strategie des Unternehmens verankert ist: Es zielt unter anderem darauf ab, den Treibhausgasfussabdruck von PostFinance transparenter zu machen und systematisch zu reduzieren. Eine besondere Herausforderung dabei ist die Messung und Offenlegung der finanzierten Emissionen. 

Welche Emissionskategorien gibt es?

Unternehmen, die ihre Treibhausgasemissionen vollständig erfassen, müssen gemäss Greenhouse Gas Protocol drei verschiedene Emissionskategorien (Scopes) beleuchten:

  • Scope 1 umfasst alle Emissionen, die durch Verbrennung in eigenen Anlagen/Geräten verursacht werden (zum Bespiel durch Firmenfahrzeuge). 
  • Scope 2 umfasst die mit eingekaufter Energie verursachten Emissionen (Elektrizität, Fernwärme usw.).
  • Scope 3 umfasst sämtliche Emissionen, die durch erworbene Vorleistungen und Dienstleistungen Dritter verursacht werden. In diese dritte Kategorie fallen auch die finanzierten Emissionen. Darunter versteht man jene Emissionen, die von Unternehmen über Investitionen auf dem weltweiten Kapitalmarkt finanziert werden. In der Finanzindustrie spielen die finanzierten Emissionen eine – gerade auch im Vergleich zu Scope 1 und 2 – besonders grosse Rolle.

Emissionen einheitlich ermitteln

Mit dem Beitritt zur Initiative PCAF (Partnership for Carbon Accounting Financials) im April 2021 will PostFinance ihren Beitrag leisten, dass sich in der DACHLi-Region ein gemeinsamer Standard etabliert, mit dem sich die Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) und die Treibhausgasintensität von verschiedenen Anlageklassen einheitlich ermitteln und offenlegen lassen. Im Interview erklärt Henrik Ohlsen, Geschäftsführer des Vereins für Umweltmanagement und Nachhaltigkeit in Finanzinstituten (VfU), warum ein standardisierter Berechnungsansatz so wichtig ist. Er koordiniert über den VfU die Zusammenarbeit mit PCAF für Deutschland, Österreich, die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein.

Herr Ohlsen, warum brauchen die Banken Standards zur Messung und Offenlegung finanzierter Emissionen?

Während es mit dem Greenhouse Gas Protocol schon seit vielen Jahren einen Standard für Nicht-Finanzdienstleistungsunternehmen gibt, fehlte ein solches Regelwerk speziell für Finanzdienstleister und deren finanzierte Emissionen. Da Finanzdienstleister durch ihre Finanzierungs- und Versicherungsaktivitäten indirekt an den Emissionen von finanzierten Anlagegütern beteiligt sind, benötigen sie eine Grundlage, auf der sie ihren Anteil an den Emissionen aus dem nachgelagerten Teil ihrer Wertschöpfungskette bestimmen können. Damit auch dies in einer einheitlichen, international vergleichbaren Weise passieren kann, braucht es einen Standard für die Berechnung und Offenlegung finanzierter Emissionen. Dabei ist die Berechnung der THG-Emissionen im Portfolio vielfach der erste Schritt für weitere Massnahmen wie Szenarioanalysen, zeitbezogene Klimazielsetzungen oder Stresstests. Mit dem Global GHG Accounting and Reporting Standard hat die weltweite Initiative PCAF einen solchen Standard für die Finanzindustrie geschaffen.

Wozu dient dieser den Banken ganz konkret?

Der Global GHG Accounting und Reporting Standard versetzt die Finanzinstitute in die Lage, die mit Krediten und Investitionen verbundenen Treibhausgasemissionen zu einem festen Zeitpunkt, in Übereinstimmung mit den Finanzbuchhaltungsperioden, jährlich zu messen und offenzulegen. Dabei werden die finanzierten Emissionen aus Investitionen grundsätzlich so berechnet, dass der Zuordnungsanteil (relativer Anteil des Finanzinstituts am Anlageobjekt) mit den Emissionen des jeweiligen Anlageobjekts multipliziert wird. Somit wird sichergestellt, dass die direkten und indirekten Emissionen eines Anlageobjektes entsprechend des jeweiligen Finanzierungsanteils dem Finanzinstitut zugeordnet werden. Warum dies relevant ist, wird schnell klar, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Menge der so ermittelten absoluten Scope-3-Emissionen nach Berechnungen der Non-Profit-Organisation Carbon disclosure project (CDP) im Durchschnitt 700 Mal höher ist als der klassische THG-Fussabdruck aus Scope 1 und 2.

Welches sind die grössten Herausforderungen bei der Anwendung des Standards?

Eine der grössten Herausforderungen hängt mit der Erfassung der Emissionsdaten der Anlageobjekte zusammen. Wie geht man zum Beispiel damit um, wenn es sich um eine Investition in ein KMU handelt, das keine eigenen Emissionsdaten erhebt? Oder aber, wenn Daten bestehen, an deren Zuverlässigkeit zu zweifeln ist? Eine Antwort auf diese Problematik liefert die Emissionsfaktorendatenbank von PCAF. Jedes Finanzinstitut, das sich verpflichtet, nach der PCAF-Methode zu berichten, erhält Zugang dazu. Sie zeigt zwar nicht die unmittelbaren Treibhausgasemissionen eines Anlageobjekts oder Kreditnehmers, wohl aber Emissionsfaktoren, die sowohl in Verbindung mit der Kenntnis von physikalischen Grössen wie Energieverbrauch in kWh oder Tonnen produzierter Stahl als auch auf Basis von ökonomischen Sektordaten eine Approximation ermöglichen. Besser wäre natürlich, wenn jedes KMU über seine tatsächlichen Emissionen berichten würde. Um die Datenqualität einheitlich zu bewerten, unterscheidet PCAF daher fünf Datenqualitätsstufen, die von Finanzinstituten beim Offenlegen der Emissionen – gewichtet nach dem ausstehenden Betrag – für ihr erfasstes Portfolio anzugeben sind. (...)

Lesen Sie hier das Interview in voller Länge.

(Quelle: Text & Bild: PostFinance)