ReUse im Bauwesen ermöglicht und was es braucht: Die SBB-Birsbrücke Münchenstein bekommt ein zweites Leben
Eine Brücke mit Geschichte
Am 14. Juni 1891 stürzte die schmiedeeiserne Birsbrücke in Münchenstein, geplant vom Pariser Ingenieurbüro Gustave Eiffel, unter einem Sonderzug ein. 73 Menschen starben. Das schwerste Eisenbahnunglück der Schweiz löste 1892 die erste eidgenössische Baunorm für Tragwerke aus und befeuerte die Gründung der SBB im Jahr 1902. Noch im selben Jahr stand am gleichen Ort eine genietete Stahlfachwerk-Ersatzbrücke nach den neuen Normen. Sie tat 133 Jahre lang Dienst.
Eigentlich wäre auch diese Brücke entsorgt worden. Ein Postulat im Landrat Basel-Landschaft (2023, Simon Oberbeck) und die darauffolgende Machbarkeitsstudie änderten das. Der Kanton übernahm die untere Brücke von 1892 von den SBB. In der Nacht vom 24. auf den 25. Februar 2025 hob ein 1.000-Tonnen-Raupenkran das knapp 46 Meter lange Stahlfachwerk vom Widerlager. Bis Anfang April wurde es Niet für Niet zerlegt. Rund 2.500 Stück. Heute lagert die Brücke in Einzelteilen auf dem HIAG-Areal in Dornach.
Warum sich der Aufwand lohnt
In Bauwerken steckt viel «graue Energie», also CO₂, das einmal bei der Herstellung von Stahl, Beton oder Ziegeln freigesetzt wurde. Wer ein bestehendes Tragwerk weiternutzt, vermeidet diese Emissionen. Brücken haben, wie das Postulat treffend sagt, «keine Lebensdauer, sondern lediglich eine Nutzungsdauer». Die alte Stahlfachwerkbrücke ist als Bahnbrücke am Ende. Als Fuss- und Velobrücke kann sie problemlos weitere Jahrzehnte tragen.
Was Re-Use konkret braucht
Das Beispiel zeigt, was zusammenkommen muss: ein politischer Anstoss; Investitionsbereitschaft der öffentlichen Hand (Mehrkosten rund 1.8 Mio. Franken gegenüber einem Neubau); eine sorgfältige Demontage (neun Wochen statt zwei Tagen mit dem Schneidbrenner); klare denkmalpflegerische Vorgaben (das alte Material «Schweisseisen» lässt sich nicht schweissen, weshalb wieder genietet wird); ein passender Folgestandort. Geprüft wird aktuell der Birsraum Aesch-Dornach als Ersatz für den heutigen «Metallisteg».
Wiederverwendung bei öbu
Damit Re-Use im Bauwesen vom Pilotprojekt zur Praxis wird, arbeitet öbu mit einer Allianz aus Akteur:innen der Schweizer Bau- und Immobilienbranche an funktionierenden Lieferketten für wiederverwendete Bauteile. Im Fokus stehen Fragen rund um Logistik, Qualitätsstandards, Versicherung, Digitalisierung und Geschäftsmodelle, mit dem Ziel, Wiederverwendung einfacher, wirtschaftlicher und breit anwendbar zu machen.
Titelbild: SBB - Ersatz Birsbrücken in Münchenstein