«Nachhaltigkeitsreporting – quo vadis?» - Teilnehmer-Workshop
Wo: Zürich
Nachhaltigkeitsberichte glänzen nicht mit hohen Leserzahlen. Trotzdem gewinnt die Berichterstattung bei den Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Dies zeigten die Voten der 24 UnternehmensvertreterInnen, die Anfang November am Workshop der öbu und engageability teilgenommen haben. Nachhaltigkeitsberichte dienten der Verknüpfung von Nachhaltigkeit mit dem Kerngeschäft, der zukunftsfähigen strategischen Ausrichtung eines Unternehmens, und als glaubwürdige Visitenkarte für potenzielle Mitarbeiter und Kunden, um nur einige Stimmen zu nennen.
Seit Jahren fördert die öbu mit verschiedenen Projekten die Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Schweiz. Das aktuelle Pilotprojekt unter dem Titel „Nachhaltigkeitsreporting – quo vadis?“ von öbu und engageability soll Unternehmen dabei unterstützen, die Best Practices und Trends zu erkennen und eine individuelle Standortanalyse vorzunehmen. Hierfür hat das Team um Barbara Dubach von engageability 24 Schweizer Berichte nach der Reporting Matters-Methodik des World Business Council for Sustainable Development analysiert.
Trends, Qualitäten und Verbesserungspotenzial
Der Vergleich der Schweizer Berichte mit dem just am 5. November 2015 erschienenen global angelegten Reporting Matters 2015-Report des WBCSD zeigte die möglichen Trends der Berichterstattung auf. Etwa, dass in der globalen Analyse bereits 59 % nach GRI G4 berichten, in der Schweiz jedoch erst 50% der berichterstattenden Unternehmen. Weiter publizieren 63% der Schweizer Firmen eigenständige Nachhaltigkeitsberichte, während der Anteil im globalen Kontext bei 74% liegt. Einen integrierten Bericht verfassen nur ganz wenige Firmen; die Bewertung zeigt jedoch grundsätzlich, dass solche Berichte besser abschneiden als isolierte oder kombinierte Reports. Ein weiterer Trend zeigt sich bei der externen Prüfung der Berichte: In der Schweiz sind gerade mal 17% extern validiert, auf globaler Ebene sind es satte 78%.
Die inhaltliche Analyse der Schweizer Berichte ergab, dass die Schweiz insgesamt ein gutes Niveau erreicht, im Vergleich mit der globalen Entwicklung in bestimmten Punkten aber noch Aufholpotenzial hat. Gut schnitten die 24 Unternehmen bei Kriterien wie der Zukunftsorientierung im Unternehmensumfeld, Strategie und Treiber sowie Aktivitätennachweis ab. Eine leicht schwächere Bewertung erzielten die Berichte bei den etwas „neueren“ Kriterien Wesentlichkeit, Einbezug von Stakeholdern, Ausgewogenheit (positive und negative Berichterstattung) und Nachhaltigkeits-Governance, also die Einbettung der Nachhaltigkeit auf Geschäftsleitungsebene.
Dem Workshop war Ende September ein Treffen einer hochkarätigen Expertengruppe vorausgegangen, welche ihre Inputs zu den Analyseergebnissen gab. Die Gruppe setzte sich folgendermassen zusammen:
- Anaïs Blasco, Associate, Redefining Value, WBCSD
- Elvira Bieri, Geschäftsführerin, SGS
- Dr. Elgin Brunner, Nachhaltigkeitsanalystin, FormaFutura
- Dr. Sibyl Anwander, Abteilungsleiterin Ökonomie und Innovation, BAFU
- Damian Oettli, Leiter Abteilung Konsum und Wirtschaft, WWF
- Prof. Dr. Claus Heinrich Daub, Professor für Marketing und Unternehmensführung und stv. Leiter des Instituts für Unternehmensführung, FHNW
- Dr. Philipp Aeby, Geschäftsführer, RepRisk
- Peter Teuscher, Gründer und Geschäftsführer, BSD Consulting
Die teilnehmenden Unternehmen erhielten am Workshop die Dokumentation ihrer Analyse. Diese beinhaltet u.a. eine vertrauliche unternehmensspezifische Auswertung, eine Übersicht der Analyse und der Bewertungskriterien sowie die generelle Zusammenfassung der Erkenntnisse mit Verbesserungsvorschlägen.
Die öbu und engageability planen aufgrund der Rückmeldungen und Erfahrungen aus dem Workshop die Fortsetzung und Erweiterung des Projektes. Aktuelle Informationen werden zu gegebener Zeit auf der öbu-Website publiziert.
Wir danken der
SGS Société Générale de Surveillance SA
für die grosszügige Unterstützung des Workshops.