Braucht es das „Age of Less“?
Die Öbu macht sich seit jeher Gedanken über den Wachstumsbegriff und das intelligente Zusammenspiel von Innovation, Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit. Lange Zeit ging eine Mehrheit davon aus, dass das Klimaziel auch bei unveränderter Steigerung der Energienachfrage allein mit Energieeffizienz und der Erschliessung erneuerbarer Energien erreicht werden kann. Auf die Hemmnisse, die sich aus widerstrebenden Interessen, dem Zeitbedarf der Anpassung und der Verknappung der naturgegebenen Ressourcen ergeben, geht sie kaum ein.
Der Wissenschaftsjournalist Marcel Hänggi denkt in eine andere Richtung: In seinem Buch „Ausgepowert“ plädiert er für eine neue Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die mit viel weniger Energie auskommen muss. Wie könnte ein Leben mit viel Weniger aussehen?
Auch David Bosshart, Leiter des Gottlieb-Duttweiler-Instituts, fordert in seinem Buch „Age of Less“: umsteigen statt aussteigen. Das Zeitalter des Zahlenwachstums geht zu Ende. Seiner Meinung nach hat die Logik des Immer-Mehr abgewirtschaftet und die wirtschaftlichen Verhältnisse müssten sich substanziell verändern, wenn wir morgen unseren Wohlstand halten wollen. In das "Age of Less", wird ein Zeitalter des Immer-Weniger propagiert, das uns aber gleichzeitig Aktionsraume für ein neues, robusteres Wachstum bietet.
Sogar Ernst Ulrich von Weizsäcker und seine Co-Autoren machen in ihrem Buch „Faktor Fünf“ deutlich, dass Ressourceneffizienz alleine nicht reicht, um die mit Klimawandel und Ressourcenknappheit verbundenen Probleme zu lösen. „Masslosigkeit und Gier sind auf Dauer kein Leitwert für eine menschenwürdige Gesellschaft.“ Ja, Suffizienz könne sogar mit einer höheren Lebensqualität einhergehen.

