Neue Studie über nachhaltige Wertschöpfungsketten in der Bekleidungsindustrie

Quelle: zvg

23.01.2014 - Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie ist möglich und wettbewerbsfähig. Dies zeigt eine Studie von Impact Economy, welche auch analysiert hat, wie sich die Industrie dahingehend verändern kann.

Kaum eine Industrie veranschaulicht den aktuellen Scheideweg in einer Welt knapper Ressourcen und unbegrenzter Bedürfnisse besser als die globale Textil- und Bekleidungsindustrie. Historisch sowohl eine Quelle wirtschaftlichen Fortschritts als auch grosser Umweltprobleme und schlechter Arbeitsbedingungen, diente die 3-Billionen-Dollar Industrie Volkswirtschaften in den letzten 250 Jahren weltweit als Katalysator für nationale Entwicklung und Industrialisierung. Offshoring, kaum reguliertes Wachstum und Fast Fashion haben zu einer Zuspitzung von schlechten Arbeits- und Umweltbedingungen in wichtigen Erzeugerländern geführt. 

Chancen für Verbesserungen erkennen

Der Einsturz des Rana Plaza Fabrikgebäudes in Bangladesch sorgte mit über 1100 Toten im April 2013 weltweit für Entsetzen und rief die oft katastrophalen Arbeitsbedingungen zunehmend ins öffentliche Bewusstsein. Wichtige Fragen zur Lücke zwischen sozialer und ökologischer Performance sowie der Wirtschaftlichkeit der Industrie rückten in den Vordergrund. Mit dem von europäischen Käufern initiierten „Bangladesh Accord on Fire and Building Safety“ und dem US-amerikanische Pendent, der „Alliance for Bangladesh Worker Safety“ wurden zwei Initiativen geschaffen, die Gebäude- und Feuersicherheit verbessern sollen. 

Um der weiterführenden Frage nachzugehen, wie nachhaltige Wertschöpfung  in der Textil- und Bekleidungsindustrie zum Normalfall werden kann, hat Impact Economy – eine globale Impact Investment und Beratungsfirma – im Dezember 2013 die Studie Creating Sustainable Apparel Value Chains veröffentlicht. Für die Studie wurden im Rahmen einer Online-Befragung über einen Zeitraum von 6 Monaten mehr als 730 Akteure angesprochen, über 200 Berichte gesichtet, und über 25 Experteninterviews geführt. Ziel ist es, Industrie und Stakeholder zu unterstützen, umsetzbare Chancen für eine systemische Verbesserung zu erkennen. 


Es besteht Handlungsbedarf

Der Bericht nennt vier Ausgangspunkte, die für die Gestaltung von nachhaltigen Wertschöpfungsketten in der Textil- und Bekleidungsindustrie zentral sind:

Die schlechten Arbeitsbedingungen und mangelnde Arbeitersicherheit rücken immer mehr ins öffentliche Bewusstsein.

  • Begrenzte Initiativen haben gezeigt, dass eine Verbesserung der sozialen und ökologischen Performance möglich ist. 
  • Die Fast Fashion Industrie mit Ländern wie Myanmar als aufstrebende Erzeugerländer unterstreichen die Notwendigkeit eines Modells für nachhaltiges Wachstum der Industrie.
  • Teilelemente einer umfassenden Lösung existieren bereits, konnten aber noch keine Transformation der Industrie herbeiführen. Die Herausforderung: es handelt sich um ein systemisches Problem, dass einer systemischen Lösung bedarf, und nicht wie bis anhin überwiegend durch Bekämpfung einzelner Symptome angegangen werden sollte.


Nachhaltige Wertschöpfungsketten möglich und wettbewerbsfähig

Die gute Nachricht: Es besteht reichlich Wertschöpfungspotenzial. Eine Umgestaltung der Produktionsprozesse gepaart mit verbesserter Infrastruktur und Ausbildung kann zu signifikanten Einsparungen führen. Reduktionen von bis zu 20 Prozent der chemischen Inputs, 40 Prozent des Energieverbrauchs und 50 Prozent des Wasserverbrauchs sind möglich. Das heisst, menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu schaffen, die Umweltbilanz zu verbessern und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben muss nicht im Widerspruch stehen. Der Report schliesst mit einer Reihe von Empfehlungen zur Industrietransformation, hier eine Auswahl:

  • Steigerung der Ressourcenproduktivität entlang der gesamten Wertschöpfungskette
  • Upgrading der Industrieinfrastruktur durch (Impact-)Investitionen
  • Ambitioniertere Verbesserung der Arbeitsbedingungen
  • Lernen von bestehenden Best Practice Beispielen


Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist kein Sonderfall

Viele Industrien mit globalen Lieferketten haben ähnlich gelagerte Probleme. Die Elektronikindustrie wird beispielsweise laut Schätzungen bis 2015 einen Umsatz von USD 1.4 Billionen erreichen. Umso wichtiger ist es beispielsweise, heute schon das wachsende Problem von toxischen Chemikalien anzugehen und Recycling von Elektroschrott zum Normallfall zu machen. Aktuelle Trends wie grünes Wachstum und Energieeffizienz, das Wachstum des LOHAS Konsumentensegments (Lifestyles of Health and Sustainability) sowie die wachsende Nachfrage der Konsumenten am unteren Ende der Einkommenspyramide (BoP) werden die Notwendigkeit der nachhaltigen Wertschöpfung in globalen Lieferketten in Zukunft deutlich stärker betonen – und das betrifft Stakeholder und Investoren in allen Industrien.