Forum ö 2005: Exportschlager Nachhaltigkeit
Unternehmerische Verantwortung als Motor der globalen nachhaltigen Entwicklung?
Am Forum ö am 21. April 2005 diskutierten rund hundertfünfzig UnternehmerInnen über den Beitrag der Wirtschaft zu einer globalen nachhaltigen Entwicklung.
Am 21. und 22. April 2005, fand im Casinotheater in Winterthur das Forum ö, die Öbu-Jahrestagung, zum Thema „Exportschlager Nachhaltigkeit – Unternehmerische Verantwortung als Motor der globalen nachhaltigen Entwicklung?“ statt. Die Welt steht Schweizer Unternehmen offen, der Schweizer Markt steht der Welt offen. Wir importieren aus aller Welt, wir exportieren in boomende Märkte. Nicht nur grosse Industriekonzerne bewegen sich auf dem internationalen Parkett. Auch kleine und mittlere Unternehmen nutzen ihre Chancen und verlagern Teile der Geschäftstätigkeit ins Ausland oder sind über ihre Lieferanten und andere Partner Teil des globalen Wirtschaftssystems. Ist globalisiertes Unternehmertum negativ für eine nachhaltige Entwicklung – oder die einzige Chance?
Die ehemalige Deutsche Bundestagspräsidentin versteht das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung nicht zuletzt als Regulativ einer ausufernden Globalisierung. „Freiheit schafft nicht nur Freiräume, sondern fordert auch verantwortungsbewusstes Handeln ein.“ Wer ökonomische Macht hat, über Ressourcen und Wissen verfügt, der hat auch Verantwortung. Diese Verantwortung gilt es nicht aus einer falsch verstandenen Sozialromantik wahrzunehmen, sondern allein schon der eigenen ökonomischen Interessen wegen. So steht ökologisch verantwortliches unternehmerisches Handeln in der Praxis in einem Spannungsverhältnis zwischen dem ökologisch Wünschbaren, dem technisch Machbaren und dem wirtschaftlich Vertretbaren. Würde jedoch unter Einhaltung von Mindeststandards produziert, hätten wir im Optimalfall Gewinner auf allen Seiten, so die engagierte Politikerin: Die ArbeitnehmerInnen, denen mit angemessenen Löhnen ein menschenwürdiges Leben ermöglicht würde, die Umwelt, die durch nachhaltiges Wirtschaften weniger in Mitleidenschaft gezogen würde und die Unternehmen selbst, die wegen ihres positiven Images Marktvorteile erringen könnten.
So unterstützt Rita Süssmuth denn auch den „Global Marshall Plan“, eine Initiative für eine weltweit ökosoziale Marktwirtschaft, die im Sommer 2003 von VertreterInnen aus Politik, Nicht-Regierungsorganisationen und Unternehmen ins Leben gerufen wurde. Bei dem Plan geht es darum, die mittlerweile globalisierte Ökonomie mit einem adäquaten weltweiten Ordnungsrahmen der Märkte auszustatten, der Ziele wie Weltfrieden, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit fördert. Zur Überwindung politischer Spannungen soll Global Governance beitragen, wirtschaftliche Ungleichheit soll durch den Einsatz internationaler Finanzierungsinstrumente beseitigt werden, ökologische Systeme sollen wieder belebt und entsprechend ihrer natürlichen Bestimmung erhalten werden. Die langfristige Perspektive ist eine ökosoziale Weltmarktwirtschaft, die Märkte und Wettbewerb mit hohen Standards zum Wohle aller Menschen verknüpft.
Direktor und Leiter des Geschäftsfeldes Sustainable Investment der Bank Sarasin & Cie AG, beleuchtete in seinem anschliessenden Referat das Beispiel China. Niedrige Kosten und wachsende Märkte locken immer mehr Unternehmen nach China. Doch Wachstum und politische Rahmenbedingungen bringen auch erhebliche ökologische und soziale Risiken mit sich. Die Bank Sarasin hat vor kurzem in einer Studie geprüft, inwiefern Unternehmen in China wirtschaftliche Chancen und soziale und ökologische Verantwortung in Einklang bringen können. Sie kommt dabei zum Fazit, dass Unternehmen mit signifikantem China-Engagement Risiken bergen. Jedoch könnten InvestorInnen durch ein aktives Investment in solche Unternehmen, die ihre soziale und ökologische Verantwortung ernst nehmen, zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung in China beitragen.
In der folgenden von moderierten Podiumsdiskussion wurde über einen „Globalisierungskodex“ für Unternehmen und die Bedeutung der Globalisierung für die Schweizer Binnenwirtschaft diskutiert.
Kann die Auslagerung der Produktion gar als Entwicklungshilfe gesehen werden? Und welche Aufgabenteilung zwischen Staat und Wirtschaft ist sinnvoll? Das DEZA, führt Direktor aus, unterstützt Plattformen für gemeinsame und koordinierte Präventionsaktionen in Zusammenarbeit mit lokalen UnternehmerInnen. Die Förderung von Kompetenzen und Vermittlung von Wissen wirken als Motor für eine nachhaltige Entwicklung.
Hans Hess, CEO von Leica Geosystems, investiert schon seit langem in Produktions- und Verkaufsstätten im Fernen Osten. Die Unternehmenspolitik und der Verhaltenskodex von Leica Geosystems gelten für alle Standorte weltweit. Hans Hess ist überzeugt, über den Wissens- und Kulturtransfer, wie auch über die guten Arbeitsbedingungen und enge Zusammenarbeit mit den Lieferanten auch in China zur nachhaltigen Entwicklung beitragen zu können.
Apéro (für alle Gäste) und Dîner (nur für Mitglieder) im Casinotheater boten anschliessend Raum und Rahmen für Genuss und Gespräche. Als kultureller Höhepunkt bot Hausherr Kabarett vom Feinsten dar.
Von der Einsicht zur Verhaltensänderung – wie können Unternehmen nachhaltiges Verhalten nachhaltig verankern? Nach der statutarischen Mitgliederversammlung am Freitag Morgen, wurden die Probleme und die Ansätze zur Verhaltensänderung aus sozialpsychologischer Sicht erörtert. Gruppengespräche erlaubten, individuelle Möglichkeiten und Hemmnisse auszuloten und zu diskutieren.
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