Seta Thakur begrüsste über 60 Interessierte zum Anlass in Olten.
Jaqueline Klaiss Brons (links im Bild) zeigte, was die SBB bei den Leuchtwesten von Gleisarbeitern und den Uniformen der Lokführer beachtet.
Peter van Londen hob die Unterschiede zwischen BSCI und FWF hervor.
Auf der Führung durch die Abteilung Arbeitskleidung der SBB wurde der Ablauf bei der Einkleidung der Mitarbeitenden gezeigt.
Der Apéro fand in spezieller Kulisse im Schaulager der SBB statt. Fotos: Michael Vanek, Öbu

Nachhaltige Beschaffung – Sozial verantwortliches Lieferkettenmanagement am Beispiel Berufsbekleidung

Öbu-Apéro, 17. September 2015 

Die Erfahrungsberichte von SBB, Switcher und workfashion.com zu ihrem Lieferkettenmanagement zeigten anschaulich, dass die Wahl eines Beschaffungs-Standards je nach Grösse und Sortiment eines Unternehmens getroffen werden muss. Der Standard fügt sich im Idealfall nahtlos in die gesamte Nachhaltigkeitsstrategie ein.

Kinder an Nähmaschinen, Schmutzwasser, das aus Färbereien fliesst, baufällige Fabriken: Wegen der in die Schlagzeilen geratenen prekären Zustände in Produktionsländern wie Indien oder Bangladesch ist das Thema nachhaltige Beschaffung im Textilbereich sehr präsent. Was den wenigsten Menschen beim Kleiderkauf bewusst ist, beschäftigt viele Unternehmen aber schon lange. Denn soziale und ökologische Missstände schaden nicht nur dem Image, sondern gefährden die langfristige Zusammenarbeit mit den Lieferanten und Herkunftsländern. Mittlerweile gibt es mehrere Standards, welche die Unternehmen bei der Kontrolle ihrer Lieferkette unterstützen. Für die Wahl des passenden Standards müssen sich die Unternehmen bewusst sein, welche Anforderungen sie an ein sozial verantwortliches Lieferkettenmanagement mit den verfügbaren Ressourcen erfüllen wollen.

Am Öbu-Apéro vom 17. September 2015 haben Fachleute die zwei Systeme der Business Social Compliance Initiative (BSCI) und der Fair Wear Foundation (FWF) vorgestellt sowie die wichtigsten Unterschiede aufgezeigt.

BSCI: Die seit 2003 bestehende Initiative zielt auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Fabriken ab und schliesst grundsätzlich alle Branchen mit ein. Sie basiert auf einem Code of Conduct, der sich auf die Prinzipien zum Schutz von Arbeitnehmerrechten der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) stützt. Pierre Strub, Leiter der Informationsstelle BSCI Schweiz, erklärte, dass die 1600 Mitglieder, die den Standard anwenden, Zugriff auf eine Audit-Datenbank und verschiedene Tools zur Selbstbewertung erhalten. Weiter führt BSCI für seine Mitglieder die Audits vor Ort durch, bietet Fachtrainings an und fördert den Austausch zwischen den Mitgliedern . BSCI eignet sich für die Kontrolle der Arbeitsbedingungen in den Lieferketten von non-Food-Produkten und bietet sich demzufolge für Unternehmen an, welche ein breites Sortiment abdecken müssen. Die Umsetzung von Massnahmen erfolgt nach einer Risikoanalyse und nach eigenem Ermessen.

Fair Wear Foundation: Bei der Fair Wear Foundation geht es, wie der Name sagt, ausschliesslich um Kleidung bzw. genähte Textilien. Die Richtlinien der FWF basieren wie bei BSCI auf den Prinzipien zum Schutz von Arbeitnehmerrechten der ILO. Auch FWF bietet seinen Mitgliedern Schulungen zum Thema an und führt Audits in den Lieferländern durch. Wie Peter van Londen, COO und Supply Chain Manager bei workfashion.com , einem Schweizer Anbieter für Berufsbekleidung, erklärte, müssen Mitglieder der FWF vor der Aufnahme gewisse Mindestanforderungen erfüllen. Dazu gehört u.a. die Offenlegung der gesamten Beschaffungskette. Die Foundation kontrolliert den Fortschritt der Umsetzung des Standards bei seinen Mitgliedsunternehmen und verlangt, dass nach drei Jahren 90% der Nähprozesse auditiert sind. Unternehmen, welche keine Massnahmen umsetzen, werden ausgeschlossen. 


Lieferkettenmanagement in der Praxis

Fabiana Martinez, Retail Manager Switcher SA, gab einen Überblick über die Handhabung der Beschaffung bei Switcher. Neben der Mitgliedschaft bei der Fair Wear Foundation, welche bereits einen guten Standard im Lieferkettenmanagement ausweist, hat Switcher den Respect Code entwickelt. Dieser ermöglicht die vollständige Transparenz, da jedes Kleidungsstück via individuellem Code bis auf sein Rohmaterial zurückverfolgt werden kann. Switcher verfolgt damit seit 1981das hoch gesteckte Ziel, eine Vorbildfunktion in der Bekleidungsindustrie zu übernehmen und zu beweisen, dass es möglich ist es, die Übersicht über die globalen Lieferketten zu behalten.

Als weiteres Praxisbeispiel und Gastgeberin des Abends stellte Jacqueline Klaiss Brons, Leiterin Konzerneinkauf und Konzerndienstleistungen der SBB, das Vorgehen bei der Beschaffung neuer Arbeitskleidung vor. Das Bundesunternehmen muss Aufträge ab 500‘000 Franken öffentlich ausschreiben. Da die SBB in ihrer Strategie konsequent auf Nachhaltigkeit setzt, war der BSCI Standard ein klares Anforderungskriterium bei der Ausschreibung für die neuen Uniformen. Weiter achtet das Transportunternehmen sowohl darauf, woher die Rohmaterialien kommen, als auch wie das Gewebe hergestellt wird. So sind Jeans und T-Shirts aus Bio-Baumwolle, während bei Schutzkleidung und Schuhen auf die Sicherheit der Angestellten, aber auch die Wahl möglichst nachhaltiger Textilien geachtet wird. Es werden u.a. recyclierte PET-Fasern oder der Holzfaserstoff Tencel eingesetzt. 

Fazit: Will ein Unternehmen „sorgenfreie“ Bekleidung und Produkte ohne Reputationsrisiko beschaffen, tut es gut daran, sich an einem gut etablierten Standard zu orientieren. Während bei der Fair Wear Foundation die ehrgeizigen Vorreiter an der Transparenz feilen, bietet BSCI Unternehmen einen Rahmen, um ihre Lieferketten Schritt für Schritt unter Kontrolle zu bringen. Mit BSCI 2.0 passt die Initiative derzeit ihre Anforderungen an die aktuellen Entwicklungen an.

 

Präsentation Öbu-Apéro Lieferkettenmanagement bei Berufsbekleidung (pdf)

 

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