17. 05. 2002

Nachhaltig erfolgreich

An der Jahrestagung der Schweizerischen Vereinigung für ökologisch bewusste Unternehmensführung ÖBU diskutierten rund hundert UnternehmerInnen mit dem Verwaltungsratspräsidenten der Swisscom, Markus Rauh, und Prof. Franz Josef Radermacher über Chancen und Risiken für eine nachhaltige Schweizer Wirtschaft in einer globalisierten Welt. Neuer Präsident der Vereinigung für nachhaltiges Management wurde Giatgen-Peder Fontana, Verwaltungsratspräsident von Mobility.


Am 16. und 17. Mai 2002, im Jahr "Rio plus 10", fand in Bern die Jahrestagung der ÖBU, Schweizerische Vereinigung für ökologisch bewusste Unternehmensführung, statt. Spätestens seit der Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio, so der Gastreferent Prof. Franz Josef Radermacher, sei es allgemeiner Konsens, dass nachhaltige Entwicklung eine globale Herausforderung ist und ein Abkommen zwischen Nord und Süd erfordert, welches die Durchsetzung strikter Regeln zum Schutz der Umwelt und Vereinbarungen über weltweite Entwicklungsprozesse, Überwindung von Armut und Herbeiführung weltweiter Gerechtigkeit miteinander verbindet. Doch Radermacher zeigte auf, dass wir von diesen Zielen im Rahmen der aktuellen Globalisierungsprozesse eher weiter entfernt sind als damals. Dies sei, meinte der Mathematiker und Philosph, im wesentlichen eine Folge eines unzureichenden globalen ökonomischen Designs.

Radermacher lieferte denn den ca. 120 anwesenden UnternehmerInnen und Gästen den "Schlüssel zu einem besseren weltweiten ökonomischen Design", aufbauend auf einer neuen mathematischen Equity-Theorie. Hierfür stellen die Erweiterungsprozesse der EU wesentliche Orientierungspunkte dar.

So weit also die Theorie. Dass die Nachhaltigkeit durchaus auch ein grosses Anliegen der Praktiker ist, belegte das anschliessende Referat von Markus Rauh, Verwaltungsratspräsident der Swisscom. Vor wenigen Wochen hat der Bundesrat die Jahresberichte seiner drei ehemaligen Regiebetriebe kommentiert und hat dabei der Swisscom die Note 6 gegeben. Im Vergleich zu anderen Telekommunikationsunternehmungen stehe sie wirtschaftlich hervorragend da. In den Augen des Bundesrates ist dies das Ergebnis einer „besonnenen Unternehmenspolitik“, welche Rauh anhand der Nachhaltigkeitsbemühungen der Swisscom präsentierte. In der anschliessend von der Autorin und Journalistin Gisela Widmer geleiteten Diskussion resultierte, dass trotz wertvollem Engagement von motivierten Unternehmen ohne geeignete Rahmenbedingungen das Ziel einer nachhaltigen Wirtschaft nicht erreicht werden kann.

Der zweite, geschlossene Teil der Mitgliederversammlung stand ganz im Zeichen der Umsetzungsebene. "Was ist los mit der Schweizer Wirtschaft?" fragte der frisch gewählte neue Präsident der ÖBU, Giatgen-Peder Fontana, Verwaltungsratspräsident von Mobility CarSharing Schweiz AG. Ständig sei eines unserer guten alten Unternehmen in den Schlagzeilen. Bei Fluggesellschaft und Banken, Industriebetrieben und Versicherungen – überall müssten wir negative Entwicklungen beobachten.

Die Schweizer Pionierunternehmer seien sich, so der Bündner, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung für die Um- und Mitwelt noch bewusst gewesen. Während vieler Jahrzehnte war Swiss Made auf der ganzen Welt ein Synonym für innovative Technologie, Zuverlässigkeit, Langlebigkeit, gutes Design und was der Qualitätsmerkmale mehr sind. Diese herausragende Qualität hätte uns im globalen Wettbewerb einen Spitzenplatz beschert. Heute scheint diese Entschlossenheit zu fehlen, durch aussergewöhnliches Engagement die Spitzenposition zu verteidigen.

Die fortschrittliche Schweizer Unternehmergeneration weiss jedoch, dass blindes Gewinnmaximieren nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Heute muss tagtäglich der Nachweis der Integrität der Wirtschaftsführung erbracht werden, die weit über die Einhaltung von Gesetzen hinausgeht.

Die ÖBU-UnternehmerInnen wollen ihren Beitrag leisten, um der Schweizer Wirtschaft wieder zu alter Kraft zu verhelfen. Sie sind überzeugt, dass mit der Idee "swiss+sustainable" ihre Produkte und Dienstleistungen einen entscheidenden Mehrwert erhalten.

"swiss+sustainable“ steht für verantwortungsvolles, nachhaltiges und gerade deshalb erfolgreiches Wirtschaften. Neben einem verbesserten Preis-Leistungsverhältnis entstehen erst noch Ressourceneinsparungen und soziale Fortschritte. Das Konzept "swiss+sustainable" hat die Kraft, langfristig und zukunftsgerichtet der Schweizer Wirtschaft wieder eine Spitzenposition zu verschaffen.

Eine Schwerpunktaktivität der ÖBU in den nächsten zwei Jahren wird das Nachhaltigkeits-Marketing sein. In Zusammenarbeit mit The Sustainability Forum und Prof. Frank-Martin Belz vom Institut für Wirtschaft und Ökologie der Universität St. Gallen werden die ÖBU-UnternehmerInnen einen intensiven Prozess der Forschung und Anwendung in diesem wichtigen Bereich lancieren.

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