„Money makes the world go round“
An einem umfassenden Investmentforum zum Thema umwelt- und sozialverträgliche Investitionen von Vorsorgegeldern trafen sich am Zürcher WWF-Hauptsitz Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Umwelt. Unter dem Patronat der Prevista Anlagestiftung und der Servisa Sammelstiftung für Personalvorsorge diskutierten die Teilnehmer über Nutzen, Kriterien und Entwicklungen in Bezug auf entsprechende Titel, Fonds und Firmen. Die Vertreter aus Justiz und Politik wiesen auf die Notwendigkeit von Mitspracherecht und Informationspflicht bei Vorsorgeanlagen hin. Die Firmenvertreter ihrerseits hoben eigene Erfolge und Probleme in der nachhaltigen Bewirtschaftung heraus, drängten aber gleichzeitig auf einheitliche Kriterien und unternehmerische Freiheit.
Das Interesse von Investoren, Analysten und Pensionskassenmitgliedern an Unternehmen, welche soziale und umweltpolitische Anliegen berücksichtigen, nimmt zu. Gleiches gilt für die Forderungen nach Investitionen in derartige Titel und Fonds. Unternehmen haben in der Folge ihre Anstrengungen entsprechend intensiviert, weisen aber auf Realisierungsschwierigkeiten und die Vielzahl von Standards hin. Für die Verantwortlichen von Prevista und Servisa Grund genug, zu einem Gedankenaustausch einzuladen. Das unter dem Titel «money makes the world go round» stehende Forum setzte sich zusammen aus Referaten und Podiumsdiskussion; Die Moderation oblag Dr. Beat Kappeler (Weltwoche). Als Referenten traten die SP-Nationalrätin und Unternehmerin Anita Fetz, WWF-Geschäftsführerin Carol Franklin, der Rechtsexperte Dr. Werner Nussbaum sowie Umwelt- und Pensionskassenverantwortliche aus Unternehmen auf. Im anschliessenden Lunch konnten die zahlreichen Besucher an den Ständen Hintergrundinformationen sammeln und weiter gehende Gespräche führen. «Das Investmentforum bietet uns die ideale Plattform, Anlagemöglichkeiten von Vorsorgegeldern in umwelt- und sozialverträgliche Titel und Fonds zu diskutieren», umschrieb Urs Holliger, Mitglied bei der Geschäftsleitung der Prevista Anlagestiftung und Organisator des Investmentforums das Ziel der Veranstaltung.
Erwartungen und Instrumente
Die Referatsreihe wurde durch die WWF-Leiterin Carole Franklin eröffnet, deren Organisation dieses Jahr 40-jährig wird. Mit dem Hinweis, dass mittlerweile 10 bis 13 Prozent der amerikanischen Titel als nachhaltig gelten, unterstrich sie ihre Forderung nach einem stärkeren Engagement der involvierten Parteien in der Schweiz. Sabine Döbeli, Leiterin des Umweltund Sozialresearchs bei der ZKB, konnte diesbezüglich bereits Konkretes liefern: Sie beschrieb ihr Team, das Prüfungsverfahren und die Kriterien für nachhaltige Titel. Döbeli schloss mit der Feststellung: «Wir sind auf ein breites fachliches Netzwerk angewiesen.» Dazu gehören neben eigenen Experten auch Institute wie der WWF oder die Schweizerische Vereinigung für ökologisch bewusste Unternehmensführung (öbu), die neben der Prevista und der Servisa bei der Veranstaltungsplanung involviert waren. Der unabhängige Rechtsexperte für berufliche Vorsorge, Dr. Werner Nussbaum erklärte seinerseits, dass der rechtliche Rahmen für die nachhaltige Kapitalanlage der Pensionskassen vorhanden sei. Gleichzeitig betonte er: «Voraussetzung der Willensbekundung – für oder wider eine nachhaltigen Kapitalanlage – ist die vollständige Information und hinreichende Transparenz betreffend Chancen und Risiken der nachhaltigen Kapitalanlage durch die zuständigen Pensionskassenverantwortlichen.»
Erfolge, Forderungen und Skepsis
Am Forum kamen neben Sabine Döbeli weitere Firmenvertreter zu Wort, unter ihnen Albert Kuhn, Leiter Corporate Environmental Management bei der Swisscom AG, Georg Wüest, Umweltbeauftragter der Geberit-Gruppe, Christoph Oeschger, Leiter der ABB Pensionskasse sowie Reto Kuhn, Geschäftsführer der Versicherungseinrichtung des Swissair-Flugpersonals. Sie umrissen, trotz grundsätzlichem Interesse an nachhaltiger Bewirtschaftung und Titeln, die grossen Herausforderungen, die entsprechende Engagements mit sich bringen. Erschwerend kommt hinzu, dass statt einem weltweiten Standard gleich mehrere existieren. Dazu gehören Benchmarks wie die Dow Jones Sustainability Group Indices (DJSGI), die Global Reporting Initiative (GRI) oder der Swisscode of Best Practice. Gefordert wurden deshalb klare Rahmenbedingungen. Nichtsdestotrotz konnten die Vertreter von Swisscom und Geberit Erfolge im Umwelt- und Sozialmanagement vorweisen, weshalb sie auch als nachhaltige Unternehmen gehandelt werden. Georg Wüest verzeichnete einen deutlichen Rückgang beim Engergieverbrauch der Geberit-Produkte, während Albert Kuhn die Mitarbeiterförderung und die Sozialpläne der Swisscom pries.
Anita Fetz konnte sowohl in ihrer Funktion als Unternehmerin als auch als SP-Nationalrätin argumentieren. Die Wirschaftsentwicklung kritisch analysierend hielt sie fest: „Wir überlassen es weltweit etwa 300 Fondsmanagern, die Wirtschaft zu beeinflussen. Sie rief Finanzinstitute, Non-Profit-Organisationen, Medien, Konsumenten und Politik dazu auf, nachhaltiges Wirtschaften zu fördern und zu fordern.
Skeptischer äusserten sich die Vorsorgeverantwortlichen. Christoph Oeschger von der ABB hielt fest: «Probleme stellen sich vor allem bei der Umsetzung (von nachhaltigen Anlagepraktiken).» Sein Kollege Reto Kuhn von der Swissair erinnerte daran, dass sich die Stiftungsräte der Pensionskassen letztendlich für Rendite entscheiden müssten.
Gemeinsames Interesse
In der abschliessenden Podiumsdiskussion wurde das allseitige Interesse an sozial- und umwelt-orientiertem Engagement verdeutlicht. Differenzen offenbarten sich höchstens bei der Realisierbarkeit: Während die Unabhängigen Rechte und Pflichten der Pensionskassenmitglieder und - verantwortlichen sowie der Firmen allgemein heraushoben, setzten sich die Unternehmensvertreter für die Eigenverantwortung und Marktorientierung ein. Christoph Oeschger (ABB) und Georg Wüest (Geberit) gingen in ihren Überlegungen noch einen Schritt weiter. Ersterer erlaubte sich die Frage: «Sind die Versicherten noch für ökologische Investitionen, wenn ihr Erspartes tangiert wird?» Wüest seinerseits wies darauf hin, dass der Begriff der Nachhaltigkeit an die Kultur des Landes gebunden sei. Anita Fetz gab beiden Recht, entgegnete aber: «Als Versicherte wünsche ich mir einen Anlagen-Mix, in dem Rendite ein Teil und Ökologie ein anderer ist.»
Das Öko-Investmentforum von Prevista und Servisa hat seinen Teil zu einem möglichen Konsens beigetragen, indem gemeinsame Interessen und zukünftige Herausforderungen offenbart wurden. Die Referenten und Organisatoren bekundeten grosses Interesse, die Diskussionen auf verschiedenen Stufen weiterzuführen. Nachhaltige Investitionen dürften damit ein dominantes Thema bleiben.

