Creative Carbon Partnerships – von der unternehmerischen Freiheit, das Klima zu schonen
Die ÖBU hat im Frühjahr 2001 – als Antwort auf die Ablehnung der Umweltabgabe vom Herbst 2000 – gemeinsam mit Mitgliedfirmen und verschiedenen Bundesämtern eine Plattform gegründet, welche proaktive Klimaschutzmassnahmen für Unternehmen fördert: die Creative Carbon Partnerships (CCP). Die CCP löste eine Vielzahl lustvoller, kreativer, auf Freiwilligkeit basierender Projekte aus, die CO2-Emissionen herabsetzen.
Das Echo auf einen Aufruf der ÖBU bei den Mitgliedfirmen, sich mit einem CCP-Projekt zu engagieren, war erfreulich positiv. Elf Projektideen aus sieben Firmen wurden geprüft. Creative Carbon Partners sind: BAER, Greenergy, Grünwerk, Hunziker, Knecht & Müller, Migros, Mobility, Schweiz. Erdöl-Vereinigung, Silvaconsult, Swiss Re sowie die Bundesämter für Raumentwicklung, für Energie, für Umwelt, Wald und Landschaft und das Staatssekretariat für Wirtschaft.
Das Projekt „Wir geben Gas“ von Hunziker + Co. wurde bereits
durchgeführt, die anderen werden in der nächsten Zeit weiter konkretisiert.
Einige sollen hier kurz vorgestellt werden.
Wir geben Gas (Hunziker + Co.): Im Oktober 2000 veranstaltete Hunziker & Co. einen grossen Firmenanlass mit ca. 220 BesucherInnen, der CO2 als Aufhänger hatte und CO2-neutral organisiert wurde. Die Aufheizung der Halle, Transporte von Material und Personen sowie die Lebensmittel, die alle aus der näheren Umgebung beschafft worden waren, ergaben eine CO2- Emission von 13.75 Tonnen. Bei Futureforests, einer britischen Organisation, die Waldprojekte zur Bindung von Kohlendioxid anbietet, kostet ein Baum CHF 13, die Kosten für die Kompensation dieses Events betrugen also CHF 247, ein Bruchteil der Gesamtkosten des Anlasses.
In einem weiteren Schritt und als dauernde Massnahme möchte Hunziker & Co. die gesamten betrieblichen Emissionen kompensieren. Der Betrieb wurde in den letzten Jahren bereits sehr stark bezüglich seiner Energieeffizienz optimiert.
CO2-effiziente (oder neutrale) Fahrten (Mobility Car Sharing): Die Mobility-Fahrzeugflotte verbraucht 37 Prozent weniger Treibstoff als der
schweizerische Durchschnitt. Öko-effiziente Modelle wie z.B. der VW Lupo
sind in der Anschaffung jedoch bedeutend teurer als vergleichbare
Kleinwagenmodelle. Ein à-fond-perdu Beitrag an die Anschaffungskosten
ermöglicht beispielsweise, die ökoeffizienten Wagen zu konkurrenzfähigen
Tarifen anzubieten. Die dafür nötigen Mittel können durch eine freiwillige
CO2-Abgabe der Mobility-NutzerInnen erhoben werden: Die Autofahrt würde
mit dieser Abgabe CO2-neutral gemacht, wenn durch Investition in eine
effizientere Technologie entsprechende Einsparungen realisiert werden.
Kyoto-Diesel (Greenergy Conti AG): Greenergy produziert einen
schwefelfreien, partikelarmen Diesel, der hauptsächlich von
Verkehrsbetrieben und weiteren Geschäftskunden eingesetzt wird. Da die
Verbrennung von Dieseltreibstoff zwingend Kohlendioxid emittiert, kann eine
Optimierung nur indirekt gestaltet werden: Die KundInnen können durch
Zukauf von CO2-Zertifikaten über Greenergy die CO2-Bilanz entlasten.
Gemäss CO2-Gesetz resp. Kyoto-Vertrag müssen in der Schweiz die CO2- Emissionen um acht Prozent gesenkt werden. Bei einer Kompensation via Zertifikate um acht Prozent könnte somit von Kyoto-Diesel gesprochen werden.
Überwälzung der Mehrkosten für Einsatz erneuerbarer Energien (Knecht & Müller): Die Herstellung von Brillengläsern umfasst diverse sehr energieintensive Prozesse. Im bereits weitgehend nach energetischen Aspekten optimierten Betrieb wird vornehmlich Elektrizität eingesetzt. Im europäischen Strommix werden nicht unbedeutende Anteile aus thermischen Kraftwerken bezogen. Durch den konsequenten Bezug des Stroms aus erneuerbaren Quellen können diese Emissionen verhindert werden. Die Umstellung kostet den Betrieb jährlich über CHF 60'000 resp. knapp 50 Rappen pro Brille. Die Überwälzung der Mehrkosten auf die EndkundInnen soll mit einer Informationskampagne in den Optikergeschäften gekoppelt werden.
CO2-neutrale Strassenbeläge (Kästli AG): Die Herstellung von Schwarzbelägen, z.B. Asphalt, benötigt viel Energie. Bitumen, ein Material auf Ölbasis, wird bei ca. 170 Grad Celsius mit Kies, Sand und Steinmehl vermischt. Die Komponenten müssen dauernd warm gehalten werden (ca. 160 Grad), weil sonst Verklumpungen auftreten und der Energieaufwand für eine tägliche Aufheizung zu gross wäre. Das Warmhalten der Bitumentanks wird durch eine strombetriebene Bodenheizung und einen dicken Isolationsmantel gewährleistet. Die Energieträger für die Beheizung des mineralischen Materials bestehen je zur Hälfte aus Heizöl und Butangas. Insgesamt können mit der bestehenden Anlage im Vergleich zum Vorgängermodell bei der Beheizung ca. 75 Prozent Energie eingespart werden. Es ist geplant, den verbleibenden CO2-Restausstoss zum Warmhalten der Kieskomponenten zu kompensieren.
Am 2. Oktober 2001 hat die ÖBU eine Veranstaltung „Klima-Kunst“ zu dieser Thematik durchgeführt und die Creative Carbon Partnerships einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Das Publikum war beeindruckt von den spannenden Projekte, die neben den ökologischen Gewinnen auch ökologisch rentabel waren oder sehr geringe Mehrkosten verursachen.

