Als Unternehmer die Zukunft gestalten, mit nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen
Um in Zukunft mehr Wohlstand und Lebensqualität generieren zu können, müssen Wachstum und Umweltzerstörung entkoppelt werden. „Dies gelingt wenn wir die verschwenderische Natur zum Vorbild nehmen und von ihr lernen“, sagte Michael Braungart, der Guru der nachhaltigen Designszene am Forum ö vom 29. und 30. April 2004 in Langenthal. Bekannte Unternehmerpersönlichkeiten wie Anton Gunzinger oder Ursula Kambly diskutierten anschliessend, wie ökologisches Design und nachhaltige Innovationen in der unternehmerischen Praxis konkret aussehen und umgesetzt werden können.
„Die kommenden Jahrzehnte verlangen von den Unternehmen mehr als „business as usual“: Nachhaltigkeit muss das dominierende Gestaltungsprinzip werden“, leitete Giatgen-Peder Fontana, Präsident der ÖBU, Schweizerische Vereinigung für ökologisch bewusste Unternehmensführung, die Jahrestagung im Design Center in Langenthal ein. Drei Leitfiguren des Produktedesigns referierten an der mit rund 150 anwesenden UnternehmerInnen sehr gut besuchten Veranstaltung über innovative Geschäftsmodelle für eine nachhaltige Wirtschaft, über den State of the Art in Europa und Massnahmen und Beispiele aus der Praxis.
Walter Stahel, Gründungsdirektor des Instituts für Produktdauer-Forschung Genf, blickte in seinen Ausführungen zurück in die 1920er Jahre, als mit industrial design versucht wurde, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Erst in den 1980er Jahren mit dem Beginn des Umweltbewusstseins wurde der Ruf nach einer ökologischen Produktgestaltung laut: keine Giftstoffe in den Produkten, nur rezyklierbare Materialien sowie eine reparierbare und anpassbare Konstruktion, die eine lange Nutzung ermöglicht. In den 1990er Jahren wurde der Begriff des Eco-Designs erweitert, um eine ökologische Nutzung in die Gestaltung mit einzubeziehen. „Nur in einer „service economy’“, welche die Nutzung der Güter zum Ziel der wirtschaftlichen Optimierung macht, ist wirtschaftliches Wachstum bei abnehmendem Ressourcenverbrauch möglich“ fasste Stahel zusammen.
In Zusammenhang mit dem 5. Rahmenprogramm der EU wurden 2003 und 2004 in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen und Forschungsinstitutionen drei europaweite Workshops zum Thema „Wie analysiert und gestaltet man ein nachhaltiges Produkt / eine nachhaltige Dienstleistung“ durchgeführt. Ursula Tischner, Produktedesignerin und Professorin an der Design Academy Eindhoven, skizzierte in ihren Ausführungen die wichtigsten Entwicklungsschritte für nachhaltiges Design in drei Bereichen: Umsetzung von nachhaltigem Design insbesondere auch in KMU und Integration in deren Aus- und Weiterbildungsbildungsprogrammen, Berücksichtigung und Beeinflussung der weichen, sozialen, kulturellen Faktoren, Konsumverhalten, Wertvorstellungen der Konsumenten sowie Gestaltung des gesamten Systems von Produkten und Dienstleistungen im Sinne der Nachhaltigkeit (Sustainable Product Service Systems).
Rainer Züst, Geschäftsleitungsmitglied der ETHags und Co-Autor des ECODESIGN PILOTs, referierte über systematische Verbesserungsstrategien und entsprechende zielgerichtete Massnahmen. „Ecodesign“, so Züst, „hat zum Ziel, mit einem intelligenten Einsatz der verfügbaren Ressourcen einen möglichst grossen Nutzen für alle beteiligten Akteure (entlang der Wertschöpfungskette) bei minimaler Umweltbelastung und unter sozial fairen Bedingungen zu erzielen.“
Der bekannte Chemiker Michael Braungart, der in den 80er Jahren als Greenpeace-Aktivist für Aufsehen sorgte und heute Global Players wie Nike, Unilever, Ford oder BP berät, orientiert sich bei seinen Entwicklungen am Vorbild der Natur, „und diese spart, vermeidet oder reduziert auch nicht!“, so Braungart. Im Gegenteil: Ein blühender Kirschbaum im Frühling sei reine Verschwendung an Energie und an Rohstoffen. Aber alles gehe zurück in Kreisläufe, alles werde wieder Nährstoff, erläuterte Braungart seinen Ansatz der geschlossenen Kreisläufe. Vor diesem Hintergrund entwickelte der Wissenschaftler Braungart mit der Schweizer Firma Rohner Textil den „essbaren“ Möbelstoff Climatex, der sich beim Design Sense Award 2000 gegen die Reichstagskuppel von Norman Foster oder ein neues BMWModell durchsetzte.
Um die Gestaltungsmöglichkeiten der UnternehmerInnen drehte sich die Podiumsdiskussion mit Michael Braungart im Anschluss. Anton Gunzinger, Geschäftsleiter von Supercomputing Systems AG und "Entrepreneur of the Year 2001“ entwickelt auf der Basis der Computertechnologie im Kundenauftrag neue Produkte im Investitionsgütersektor. Das Wichtigste bei einer Produktentwicklung sei für ihn die Integration aller EntscheidungsträgerInnen bereits vom ersten Schritt an. Dazu brauche es eine gemeinsame Vision, erklärte Gunzinger.
Ursula Kambly, Chemikerin und Vizepräsidentin des Verwaltungsrates der Biskuitfabrik Kambly SA in Trubschachen verbindet Tradition und Innovation. Ihr Erfolg basiert auf „Erfindergeist und Vorsprung in Technologie und Know How sowie auf einem ganzheitlichen Menschenbild und einem entsprechenden Engagement für alle Stakeholder“.
Für Katharina Lehmann, VR-Präsidentin und Geschäftsführerin der Holzwerk Lehmann AG und der Blumer-Lehmann AG ist Nachhaltigkeit selbstverständlich. „Wir bewegen uns im Schnittpunkt zwischen dem Naturund dem Kultur-Kreislauf und generieren dabei Arbeitsplätze und sozialen Mehrwert.“
Hans Peter Ming, ist VR-Präsident der Sika AG, wo er zuvor 12 Jahre lang als Konzernleiter tätig war. Er ist aber auch Beirat von ResponsAbility, einer Social Investment-Plattform mit spezifischer Ausrichtung auf Entwicklungsländer. Das Ziel von responsAbility ist der Brückenschlag zwischen privatem und institutionellem Kapital und viel versprechenden Initiativen in Entwicklungsländern. Mit dem Ziel der Einkommensgenerierung durch kleinunternehmerische Tätigkeiten wird die Basis für eine nachhaltige Entwicklung dieser Länder gelegt.

