03. 05. 2010

Forum ö 2010 - Klar zur Wende

Alle sprechen vom Umbau der Industrieländer Richtung Nachhaltigkeit. Wie sieht der konkret aus? Welche Faktoren entscheiden über das Gelingen der Wende? Was sind dabei die Anforderungen an die Unternehmensführung? Am Forum ö, der Öbu Jahrestagung vom 29. und 30. April 2010 in Biel, diskutierten rund 120 EntscheidungsträgerInnen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik wie nachhaltige Strategien und Technologien rasch zu realisieren sind.


Der Donnerstagabend war nach einer Begrüssung durch den Bieler Stadtpräsidenten und Nationalrat Hans Stöckli der Artenvielfalt und nachhaltigen Wirtschaft gewidmet. Im Hinblick auf das UNO-Jahr der Biodiversität wurde in Deutschland die „Business and Biodiversity Initiative“ gegründet. Deren Leiter, Edgar Endrukaitis, erläuterte Hintergründe und Ziele der Mitgliedsunternehmen. So unterschreiben die Firmen eine Leadership Erklärung und verpflichten sich damit z.B. die Auswirkungen der Unternehmensaktivitäten auf die biologische Vielfalt zu analysieren. Sie nehmen den Schutz der biologischen Vielfalt und die nachhaltige Nutzung in das Umweltmanagementsystem auf und definieren entsprechende Indikatoren, richten eine verantwortliche Stelle im Unternehmen ein, die alle Aktivitäten im Bereich Biodiversität steuert und der Geschäftsführung berichtet. Unter dem Titel „Ohne Vielfalt der Natur – keine Vielfalt der Wirtschaft“ diskutierte der Ökonom anschliessend unter der Leitung von Stefan Barmettler, stv. Chefredaktor der Bilanz mit Hans-Peter Schmidt, Leiter des Delinat-Instituts für Ökologie und Klimafarming.

Am Freitagmorgen widmeten sich die InputreferentInnen verschiedenen Möglichkeiten und Strategien, die helfen können, die Wende Richtung Nachhaltigkeit zu schaffen. Armin Reller, promovierter Chemiker, Inhaber des Lehrstuhls für Ressourcenstrategie an der Universität Augsburg sieht den strategischen Schlüssel zur Wende in der Motivation zu einem umsichtigen, wirtschaftlich effizienten und risikoarmen Umgang mit allen Ressourcen. Sein Augenmerk galt insbesondere den seltenen Metallen. So sind beispielsweise in einem Mobiltelefon bis zu 30 Metalle enthalten. Darunter befinden sich besonders rare Stoffe wie etwa Tantal, Indium oder Germanium. Ihre Beschaffung könnte in Zukunft zum Problem werden, nicht nur weil sie selten sind, sondern weil sie aus Ländern stammen, die als politisch instabil gelten. Entsprechend seien wir gefordert, in Zukunft auf nachhaltige Produkte, erneuerbare Energien und Bionik zu setzen und entsprechende Innovationen zu fördern, welche die Kreislaufwirtschaft realisieren.

Der Hochschullehrer und Stadtplaner Peter Droege setzt sich mit seiner Arbeit vehement für eine Wende hin zu einer erneuerbaren Infrastrukturplanung ein. Seit 2002 ist Peter Droege im Weltrat für Erneuerbare Energien tätig, als treibende Kraft hinter Programmen und Konzepten im Rahmen des Forschungsfelds “Solar City”. Für die Schweiz prognostiziert er 100% erneuerbare Städte bis 2040.

Christine Beerli, ehemalige Politikerin und Hochschuldirektorin, heute vollamtliche Vizepräsidentin des Internationalen Komitess des Roten Kreuzes, thematisierte in ihrem Referat das Zusammenspiel von „Hochschule und Wirtschaft – Innovation im Teamwork“. Die flächendeckende Hinwendung zu nachhaltigen Technologien sei eine Chance für unsere Wirtschaft. Sie erfolge jedoch nicht durch eine "Wende" sondern durch ein Mainstreaming des Nachhaltigkeitsgebotes. Beerli mahnte die anwesenden UnternehmerInnen denn auch, Bildung und Wissenschaft nicht einzig unter wirtschaftlichen und arbeitsmarktlichen Kriterien zu betrachten.

Im Anschluss an die Referate fanden Parallelpanels statt  mit Co-ReferentInnen aus der Praxis. Sie boten Gelegenheit, Strategien und Anforderungen  mit Leuten auf der Umsetzungsebene detaillierter zu erörtern.

Am Nachmittag zeigten dann PionirInnen aus Unternehmen, wie es zu einer gelungenen Wende in Richtung Nachhaltigkeit kommen kann. Die Beispiele aus der Praxis können im übertragenen Sinne als Leuchttürme und Navigationshilfen dienen. So referierte etwa die Hoteldirektorin Luzia Penner, wie sie das Hotel Greulich in Zürich vom Designtempel zum nachhaltigen Hotel umbaut. Jonas Dennler, zuständig bei der SAP für den Bereich Environmental Sustainability, berichtete unter dem Titel „IT for Green – SAP as Enabler for Sustainability“ , wie SAP nachhaltige Technologien unterstützt. Cradle to Cradle als Konzept zur Wende wurde den TeilnehmerInnen von Albin Kälin, Gründer der EPEA Switzerland GmbH, näher gebracht. Mirjana Blume, CEO von Edisun, präsentierte Wachstumsgeschichte und Ausblick des  Photovoltaik-Markt. Mit, trotz und dank Ethik und Unternehmenskultur hat es Roger Herzig, CEO von RWD Schlatter zu Erfolg gebracht. Und schliesslich zeigte Kati Etzel, Leiterin Corporate Social Responsibility von Antalis, eine Ökobilanz des Papierverbrauchs des Forum ö auf, und wie man mit Ökobilanzierungsprofilen zum nachhaltigen Papierprodukt findet.

In den anschliessenden Workshops und beim Abschlussapéro hatten alle Gelegenheit noch über die eine oder andere Wende zu diskutieren.

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