Chancengleichheit im Unternehmen
Sind Firmen an der Beseitigung der Ungleichheit zwischen Frau und Mann überhaupt interessiert, oder profitieren sie gar davon? An einer Podiumsdiskussion mit prominenten Vätern und Müttern aus der Wirtschaft war man sich zumindest in einem Punkt einig: Teilzeitarbeit auf Kaderstufe – eine der Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – rentiert für die Unternehmen.
Die Chancengleichheit zwischen Frau und Mann in der Schweiz geht nur langsam voran: Die Lohnunterschiede für gleichwertige Arbeit betragen nach wie vor 20 Prozent. Sowohl im Topmanagement als auch in Verwaltungsräten ist der Frauenanteil minimal. Nur ein verschwindend kleiner Teil aller Männer arbeitet Teilzeit, bei den Frauen ist es umgekehrt. An den gängigen Rollenmustern bezüglich Erwerbsleben und Kinderbetreuung hat sich in den letzten Jahrzehnten real nicht viel geändert.
Die Schlussveranstaltung der Reihe „Chancengleichheit verankern – Wettbewerbsfähigkeit stärken“ widmete sich generell dem Thema Gender-Management. Thomas Daum (Direktor Arbeitgeberverband), Bänz Friedli (Hausmann und Autor), Maya Onken (Leiterin des Frauenseminar Bodensee, Autorin) und Pierin Vincenz (Vorsitzender der Geschäftsleitung der Raiffeisen Gruppe) diskutierten unter der Moderation von Esther Girsberger über Freud und Leid im alltäglichen Balanceakt zwischen Berufs- und Familienarbeit. Auch das rund 100-köpfige Publikum mischte sich in das angeregte Gespräch ein.
Bereits Eingangs der Diskussion bringt es Pierin Vincenz auf den Punkt: „Es ist einfacher, die Kapitalrendite in der Unternehmung um zwei Prozentpunkte zu steigern, als die alten Rollenmuster erfolgreich aufzubrechen.“ Doch nicht nur innerhalb der Unternehmung lauern die Probleme. Laut Maya Onken liegt das grösste Problem nach wie vor bei der externen Kinderbetreuung. Zwar gibt es – zumindest in den Städten – mittlerweile schon eine ziemlich gute Krippenversorgung für Kleinkinder. Für Kinder im Schulalter fehlen weitgehend Angebote. So stellt sich für die organisierte Karrierefrau ein zweites Mal die Grundsatzfrage, überhaupt im Erwerbsleben zu verharren.
Einen grossen Schritt weiter ist der bekannte Publizist Bänz Friedli in seiner persönlichen Konstellation: Er habe nicht auf seine Karriere verzichtet, sondern sich vor allem für seine Kinder entschieden. „Wir müssen endlich aufhören, uns nur über die Arbeit zu definieren.“ Und sogar Arbeitgeberverbandsdirektor Daum beteuert, dass sich Teilzeitarbeit der Mitarbeitenden auch für die Unternehmung rechne. „Die Betreuung der Kinder ist heute kein Fürsorgeproblem mehr, sondern ein finanzpolitisches.“
Bisher haben ÖBU-Business Apéros aus dieser Reihe zu folgenden Themen stattgefunden:
Ökonomischer Nutzen einer familienfreundlichen Unternehmenspolitik und Integration des Themas in die bestehenden Managementprozesse / Lohngleichheit im Unternehmen / Familienfreundlichkeit im Unternehmen.
Mehr dazu...
...von der Öbu
Medienmitteilung herunterladen (PDF)
