Soziale Unternehmenskultur
Trends. Angebote. Umsetzung. Nutzen
In der Diskussion um die nachhaltige Entwicklung wird den sozialen Aspekten zunehmend mehr Bedeutung beigemessen. Allerdings bestehen noch grosse Unklarheiten, wie diese in Unternehmen umgesetzt werden können und welcher Nutzen für die Beteiligten daraus resultiert. Um einen praxisorientierten Überblick über das Thema zu geben, führen die Organisationen ÖBU, zsa-ZHW und TSF eine Tagungsreihe durch, deren erste Ausführung in Luzern eine Auslegeordnung über die Trends und Angebote für Firmen präsentiert hat.
Gemeinsames Ziel der VeranstalterInnen Schweizerische Vereinigung für ökologisch bewusste Unternehmensführung ÖBU, Zentrum für Sustainability an der Zürcher Hoschschule Winterthur zsa-ZHW und The Sustainability Forum Zurich TSF ist es, die bisher oft vernachlässigte gesellschaftliche Säule der Nachhaltigkeit spezifisch für die Unternehmen zu definieren, Werkzeuge zu präsentieren und Potentiale aufzuzeigen.
Vor etwas über vier Jahren hat die ÖBU erstmals das Thema der sozialen Verantwortung im Unternehmen öffentlich thematisiert. Damals, Ende 2000, wurde SA 8000 weltweit in den ersten Unternehmen eingeführt.
Vieles hat sich seither bewegt: So haben heute weltweit ca. 500 Unternehmen ein SA8000-Zertifikat, in der Schweiz sind es sieben. Neue Normen und Tools haben in den Firmenalltag Einzug gehalten.
Als Klammer über die diversen Aktivitäten und Instrumente rund um den Pfeiler der sozialen Nachhaltigkeit in Unternehmen steht der Begriff Corporate Social Responsability, CSR. Gemäss dem Grünbuch der EU-Kommission „Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen“ ist CSR ist ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren.
Gabi Hildesheimer, Geschäftsleiterin der ÖBU, unterschied in ihrer Einführung vier Elemente des CSR: Inhaltliche Normen gesellschaftlicher Verantwortung, z.B. in Form eines Verhaltenskodex (Social Responsibility), Managementprozesse und –systeme für eine systematische Berücksichtigung gesellschaftlicher Anliegen (Social Responsiveness), Transparenz und Überprüfbarkeit des unternehmerischen Verhaltens (Social Accountability) sowie messbarer Leistungsergebnisse (Social Performance).
Fausta Borsani, Projektleiterin Ethik der Migros berichtete vom Einbezug des Grossverteilers all dieser Ebenen in die Geschäftstätigkeit. Sie erläuterte den Weg von Duttweilers „sozialem Kapital“ bis zu den acht Geboten des Verhaltenskodizes und den neun Engagement-Labels in eingängigen Bildern.
Auf dem anschliessenden Podium waren sich der Vertreter des Arbeitgeberverbandes Hans Rudolf Schuppisser, der Präsident der Gewerkschaft Syna Max Haas, die CEO der SV Group Susy Brüschweiler, der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Suva Ulrich Fricker, sowie die Stadträtin und Vorsteherin des Sozialdepartements der Stadt Zürich Monika Stocker einig, dass ein Schlüsselwort Sozialpartnerschaft heisst. Auseinander gingen die Meinungen erwartungsgemäss da, wo es um konkrete Massnahmen und staatliche Regulierungen geht.
Allen Seiten wichtig hingegen ist „Treu und Glauben“ sowie eine hohe Transparenz und Offenheit in der Führung. Auch gegenüber Menschen, die eben nicht 150 Prozent verfügbar sind und deshalb nach Monika Stocker immer öfter „an den Staat delegiert werden“. In einer Zeit, in der niemand mehr an Vollbeschäftgung glaubt, ist dies eine Aufgabe, deren Lösung noch ausstehend ist.
Am Nachmittag sorgten erst Präsentationen von Akteuren im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit für einen Überblick über Tools und Massnahmen. In parallelen Workshops gaben schliesslich VertreterInnen von anwendenden Firmen Einblick in ihre Erfahrungen.
Das Engagement muss den UnternehmerInnen, darüber waren sich alle einig, „etwas bringen“. Nutzen, die von UnternehmerInnen in diesem Zusammenhang genannt werden, kristallisieren sich denn auch schnell heraus: Stärkere Motivation und Loyalität der Mitarbeitenden, gesteigerte Produktivität dank Innovation und höherer Effizienz, bessere interne und externe Kommunikation, Imagegewinn, KundInnenbindung, Interesse des Finanzmarktes, Frühzeitiges Erkennen von Problemen und gezieltes Risikomanagement
Es wurde an dieser ersten Tagung der Reihe „Das Unternehmen in der Gesellschaft“ auf betriebs- und volkswirtschaftlicher Ebene einmal mehr gezeigt, dass nur das Konzept der Nachhaltigkeit zu einer langfristig wettbewerbsfähigen Wirtschaft führt.
Die zweite Tagung mit dem Arbeitstitel „Social Management – Gesellschaftliche Wirkungen gestalten“ des zsa-ZHW am 9. Juni 2005 wird Beiträge aus der anwendungsorientierten Forschung für die erfolgreiche Unternehmenspraxis. TSF wird die Veranstaltungstrilogie mit dem Thema „Innovative Sozialpartnerschaft“ am 10. November 2005 abschliessen.

